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Es war einmal: die Deutsche Motorradindustrie.

Als die Seitenwagenmaschinen noch bei den Six-Days mitmachen durften.



Jahr: 1951 1952 1953 1954 1955 1956


 

1951:


Die Internationale Sechstagefahrt 1951 vom 18. - 23.09. in Varese/Italien

Im Falle einer erloschenen Marke und insbesondere nur einer markanten Motorradtype ist es immer schwierig etwas für die Clubzeitung beizusteuern. Neues gibt es nichts mehr, also muss auf Vergangenes zurückgegriffen werden. Mithin muss recherchiert werden, eine schwierige Sache nach über 50 Jahren, ganz besonders dann, wenn die Archive schon geplündert sind.

Im Nachstehenden werden auch andere deutsche Marken erwähnt, auch Ausländer, die solche Marken fuhren, Solofahrer auf Zündapp, aber besonders behandelt werden die Gespanne deutscher Fabrikation. Es ist ein Kompromiss, denn Günter Sengfelder, ein verdienter Mann des deutschen Geländesports, regte in einem Gespräch an, dass alle Marken behandelt werden.

1951 durften deutsche Motorradsportler erstmals wieder an internationalen Veranstaltungen im Ausland teilnehmen.

In Varese waren also vertreten: Triumph, NSU, BMW, DKW, Horex, Tornax, Maico und Zündapp. Es waren 30 deutsche Fahrer am Start, die dann 12 Goldmedaillen errangen, 10 erhielten Silber, 3 Bronze und 5 fielen aus.

Unter den Werksfahrern auch klangvolle Namen aus der Straßenrennszene: G. Meier, W. Zeller, S. Wünsche, H.P. Müller oder E. Kluge.

Zündapp kam nur mit 3 KS 601-Werks-Gespannen und privat mit einem KS-Gespann der Schweizer Haller, der jedoch ausfiel.

Im Einzelnen:
Riess/Guth (Nürnberg)        Triumph 250   Gold
Kraus/Huser (München)        BMW 600       Gold
Weiss/Brendel (Nürnberg)     Zündapp 601   Gold
Keitel/Seemann (Nürnberg)    Zündapp 601   Gold
Ernst/Sörgl (Nürnberg)       Zündapp 601   Ausf.
Die Internationale Trophäe gewann England.
Die Silbervase gewann Holland.
Den Clubpreis gewann Schweden.
 

1952:


Die Internationale Sechstagefahrt 1952 vom 18. - 23.09 in Aussee/Österreich

Es war, gegenüber Varese, eine sehr schwere Fahrt: viel Dreck, viel Rollsand und die berüchtigten 'Wasserböden', die kamen erst am 4. Tag. Die leichten deutschen Gespanne kamen durch, BMW legte Greiferketten auf und weiter. Für 6 schwere deutsche Gespanne war die Sache unpassierbar geworden, weil 150 Solomaschinen die für die Gespanne mögliche Spur bereits zur Sau gemacht hatten, 6 Gespanne, 2 Fabrikate, 2 Nationen taten sich zusammen und treckten ihre Fahrzeuge mit einer Wäscheleine hoch. Später dann wurde die Strecke selbstverständlich neutralisiert.

Die deutsche Motorradindustrie war mit 63 deutschen Teilnehmern vertreten. Sie fuhren auf: NSU, Victoria, DKW, Horex, Triumph, Maico, BMW, Zündapp, Adler, Ardie, Tornax, Hecker und Express. Das reichte für 31 Goldmedaillen, 3 Silber, 5 Bronze und 2 Erinnerungsmedaillen sowie 22 Ausfällen.

Auf Zündapp waren insgesamt - also auch Ausländer - 9 Teilnehmer am Start. Sie erzielten 5 Goldmedaillen, 1 Silberne, 1 Bronze, 1 Erinnerung und 1 Ausfall.

Keitel/Seemann (Nürnberg)   Zündapp 601        Gold
Ernst/Sörgl (Nürnberg)      Zündapp 601        Gold
Kritter/Opel (Heilbronn)    Zündapp 601        Gold
Emmelkamp/van der Veen (NL) Zündapp 601        Gold 1)
Haller/??? (Schweiz)        Zündapp 601        Silber
Weiss/Seemann (Nürnberg)    Zündapp 601        Ausf.
Kraus/Huser (München)       BMW 600            Gold
???/???                     BMW 600            Gold
Stärkle/??? (Schweiz)       Horex Regina       Gold
Meier/??? (Schweiz)         Horex Regina       Ausf.
Kirchberg/??? (Ingolstadt)  DKW 250            Gold
Ischinger/??? (Ingolstadt)  DKW 250            Gold
Dotterweich/??? (Nürnberg)  Victoria KR 25     Silber
Ebert/??? (Nürnberg)        Victoria KR 25     Ausf.

Alle Klassensieger bei den Seitenwagen fuhren mit Steib. Zündapp stellte in der schweren Seitenwagenklasse lt. eigener Reklame 50 % der Goldmedaillen. Nachdem noch 2 BMWs Goldmedaillen erhielten, müssen noch 2 Gespanne anderer Herkunft Gold erhalten haben; z.B. Engländer.

Die Internationale Trophäe gewann Tschechoslowakei.
Die Silbervase gewann Tschechoslowakei.
Die Club-Trophäe gewann der ADAC Gau Württemberg.
Die Große Goldene FIM-Medaille (Fabrikwertung) gewann die Tschechoslowakei.

Abb: Die Fahrzeugabnahme



Abb: Schiebung an den Wasserböden bei 18 % Steigung bei aufgeweichtem Boden: Keitel / Seemann (später ausgefallen durch Unfall)



Abb: Erwin Sörgl noch beim Schieben und Hans Ernst schon im Sattel. Aber in der Endabrechnung Gold.



Abb: Kontrollstelle Manelling: Georg Weiß und im hellen Mantel Dr. H.F. Neumeier.

(Die Bilder stellte dankenswerter Weise Günter Sengfelder (Oberasbach) zur Verfügung.)

 

1953:


Die Internationale Sechstagefahrt 1953 vom 14. - 10.09. in Gottwaldov/Tschechoslowakei

"Jackele geh Du voran, du hast längere Stiefele an." Die politische Unsicherheit hinter dem Eisernen Vorhang, die immensen Kosten..... So war das bei den Ländern und so war das bei manchen deutschen Firmen. Und so kam es, dass von der deutschen Motorradindustrie nachstehende Firmen vertreten waren: Adler, BMW, NSU, Maico und mit beschränktem Umfang: Horex, Tornax, Hecker und UT. Abgesagt hatten Ardie, DKW, Triumph (TWN) und Zündapp. Es nahmen 31 deutsche Fahrer teil und sie erreichten: 24 Goldmedaillen, 3 Silbermedaillen bei nur 4 Ausfällen.

Alle, außer des Zwangswechselkurses, Befürchtungen traten nicht ein. Es gab noch eine (Nylon)-Strumpf-Währung für die Damenwelt und eine Schuhwährung für die Männer. Und natürlich bekamen die Tschechen glänzende Augen, wenn sie eine BMW sahen. Und man verabschiedete sich von einander mit einem ehrlichen "Auf Wiedersehen". Der Sport hatte über die schlechten Erfahrungen der Tschechen mit der deutschen Besatzung zumindest auf privater Basis gesiegt.

Die Ergebnisdarstellung im OMK-Mitteilungsblatt Nr. 38/53 ist ungenügend, in 'Motorrad', wie fast immer bei solchen Gelegenheiten, ausgesprochen ungenügend, dafür gibt aber die ADAC-Motorwelt Nr. 10/53 doch einiges her. Leider hat Otto Frahm, der die alten Ausgaben von das 'Motorrad' zur Verfügung stellte, nicht den Jahrgang 1953, sonst hätte man vielleicht aus den nachfolgen Firmenreklamen noch das eine oder andere Resultat herausziehen können.

Solo:
(keine Zündapp erwähnt)
Adler von 6 Fabrikmaschinen mit 5 Goldmedaillen und 1 Ausfall.
BMW mit 5 Fabrikfahrern mit 4 Goldenen und 1 Ausfall.
Maico mit 10 Startern 8 Goldene und 2 Ausfällen.
8 NSU-Werksfahrer sicherten sich 7 goldene und 1 silberne Medaille.
Je eine Goldmedaille gab es auch für Horex (Oelerich),
UT-ILO, Hecker-ILO und Victoria, während Tornax-ILO
und Express-Sachs je eine silberne Medaille verbuchen konnten.
Alle Gespanne:
Hoffmann/?          NSU 250   Gold
Kollmar/Gebert      NSU 250   Silber
Kraus/Prütting      BMW       Gold

Ein weiteres, namentlich nicht genanntes, NSU-Gespann kam noch mit Gold ins Ziel. Es fielen folgende Gespanne aus: 1 Adler (Haller), 1 Horex, 1 BSA, 1 Matchless, 1 Panther, 1IFA 350.

Die Nationaltrophy gewann England.
Die Silbervase gewann die Tschechoslowakei.
Die Clubtrophäe ging an ADAC-Maico-Club Frankfurt.
 

1954:


Die Internationale Sechstagefahrt 1954 vom 14. - 19.09. in llandrindod-Wells/England

Zuvor: Die Ergebnisdarstellung der OMK-Mitteilung Nr. 33/54 ist zwar recht gut, sagt aber zu dem Thema Zündapp nichts weiter aus. Das Motorrad, lt. Bericht in Nr. 20/1954, war Chefredakteur C. Hertweck selbst dort und das heißt immer: kaum Ergebnisdarstellung, viel Technik und mehr oder minder viel Kritik an allem und jedem. Und es gab wirklich schwere Organisationsmängel. Anders ausgedrückt: miserabel organisiert. Der Bericht in ADAC-Motorwelt ist gut geschrieben, reich bebildert, aber eine leidlich nachvollziebare Ergebnisdarstellung gibt es auch.

Insgesamt 41 deutsche Fahrer waren am Start. Sie erhielten 7 Spezial-Goldmedaillen, 17 Standard-Goldmedaillen, 3 Silbermedaillen, 6 Bronzemedaillen und 1 Erinnerungsmedaille. 7 Fahrer fielen aus.

Es waren folgende deutsche Marken vertreten: Adler, Ardie, BMW, DKW, Express, Hecker, Hercules, Maico, NSU, Triumpf (TWN), Victoria und Zündapp.

Solo:
Hessler        Zündapp 250   Gold
Alle Gespanne:
Die beiden NSU-Max-Gespanne unter Sauter und Staab fielen beide aus.
Ein dänisches NSU-Gespann erreichte Gold.
Beide Zündapp KS 601, sie liefen unter einem Holländer (Emmelkamp?)
und einem Norweger ohne 6-Tage-Praxis, fielen aus.
Zwei unbekannte Fahrer mit zwei betagteren BMW R 67 und ohne
extreme Seitenwagen brachten aber 2 Silberne nach Hause.
Also war die schwere Strecke trotz dreier mehr als übler
Wasserdurchfahrten doch bewältigbar.
Über das angekommene 350 ccm-Triumpf-Boss Gespann wird nichts berichtet.
Von 8 englischen Seitenwagenmaschinen (350 ccm) erreichten 2 Gold
und fielen 6 aus.
Von 10 englischen schweren Gespannen, also von 500 ccm bis unendlich,
fielen 8 aus, eines erreichte Gold und das letzte kam an.

Was hätte ein Klankermeier auf einer BMW und die Zündapp-Werksmannschaft erreicht?

Die National-Trophy gewann die Tschechoslowakei.
Die Silbervasen-Trophy ging an Holland.
Die Clubtrophäe ging an ADAC-Maico-MSC Pfäffingen.
 

1955:


Die Internationale Sechstagefahrt 1955 vom 13. - 18.09. in Gottwaldov/Tschechoslowakei

Sankt Christophorus, der Schutzheilige aller Motorradfahrer, hat auch bei dieser 6-Tage-Fahrt die Hand drüber gehalten, dass keine größeren Unfälle passierten.

Die deutsche Vertretung bestand aus 50 Fahrern. Sie errangen 22 Goldmedaillen, 6 Silbermedaillen und 4 Bronzemedaillen. 18 Fahrer fielen aus.

Sie fuhren folgende Marken: Adler, Ardie, BMW, DKW, Hercules, Maico, NSU, Maico, Mars, Triumph (TWN), Victoria und Zündapp.

Solo:
Gehring              Zündapp 250   Gold
Lohse                Zündapp 250   Gold
Hessler              Zündapp 250   Silber
Kammler              Zündapp 250   Bronze
Alle Gespanne:
Sautter/Piwon        NSU 250       Gold
Dollmann/Pfeffer     NSU 250       Gold
Marnet/Beck          NSU 250       Gold
Kritter/Opel         Zündapp 601   Gold
Kraus/Prütting       BMW 500       Silber

Alle anderen fielen aus; darunter Victoria und die englischen Maschinen, ein Schweizer auf BMW und der Holländer Emmelkamp auf einer KS.

Die internationale Trophäe gewann Deutschland.
Die Silbervase gewann die Tschechoslowakei.
Markenteampreise gewannen DKW, Maico, NSU 1 und NSU 2.
 

1956:


Die Internationale Sechstagefahrt 1956 vom 17. - 22. 09. in Garmisch-Partenkirchen/Deutschland

Die deutsche Motorradindustrie war mit 64 deutschen Teilnehmern vertreten. Sie fuhren auf: BMW, NSU, DKW, Ardie, Victoria, Adler, Zündapp, Maico, Puch, Express, Triumph und Hercules. Das reichte für 42 Goldmedaillen, 10 Silber, 2 Bronze und 2 Erinnerungsmedaillen bei 10 Ausfällen.

Auf Zündapp waren insgesamt - also auch Ausländer - 23 Teilnehmer am Start. Sie erzielten 10 Goldmedaillen, 3 Silberne, 2 Bronze, 2 Erinnerung und 6 Ausfall.

Weitere 6 Fahrer der DDR und 1 Fahrer aus der Schweiz, die zum deutschen Kontingent zählten, gewannen 4 Silbermedaillen, bei 3 Ausfällen.

Solo:

Gehring        Zündapp 250   Gold
Sick           Zündapp 250   Gold
Heßler         Zündapp 250   Gold
Kammler        Zündapp 175   Gold
Stüdemann      Zündapp 175   Gold
Schlicht       Zündapp       Gold
Lohse          Zündapp       Bronze
Alle Gespanne:

Marnet/Beck (Königstein)        NSU 250            Gold
Sautter/Piwon (Heilbronn)       NSU 250            Gold
Ullmer/Pfeffer (Neckars.)       NSU 250            Ausf.
Lang/Ruppert Höchberg)          Triumpf 350        ?
Tegge/Greuel (Nürnberg)         Victoria 350       Ausf.
Kraus/Huser (München)           BMW 600            Gold
Kritter/Kreuzer (Heilbronn)     Zündapp 601        Silber
Baczkowski/??(PL)               Zündapp 601        Silber
Grenz/Kittler (Nürnberg)        Zündapp 601        Ausf.
Emmelkamp/van Kasbergen (NL)    Zündapp 601        Ausf. 1)
Christoforow/?? (Rus)           M 72 (750)         Bronze
Kosmatow/?? (Rus)               M 72 (750)         Ausf.

Die 6 englischen Gespanne von Matchless, Ariel, Royal-Enfield und BSA fielen aus.

Die Internationale Trophäe gewann Tschechoslowakei.
Die Silbervase gewann Holland B.
Die Club-Trophäe gewann Tschechoslowakei (UDA).
Die Fabrikmannschaftspreise u.a. gewannen Adler, DKW,
BMW, Maico, NSU (letztere mit 2 Mannschaften).

(Eigene Anmerkung: In den letzten Novembertagen von 1956 fand eine erneute Sitzung der FIM-Sportkommision in Mailand statt, wobei auch u.a. über die Sechstagefahrt verhandelt wurde mit dem Ergebnis, dass bei den Sechstagefahrten auch keine Gespanne mehr mitlaufen dürfen. Offiziell wurde dies mit 'unüberwindlichen Schwierigkeiten' begründet.) (lg)

Diese Zusammenstellung erarbeitete R.L. vom Zündapp KS 601 - Club und stellte sie meisterdinger.de zur Verfügung. Herzlichen Dank!

1) Dank an Ron Kros für die Namen der holländischen Beifahrer! 2011/09/18

 



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