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Die drei Deutschlandfahrten 1951, 1952, 1953 Die Geschichte der Deutschlandfahrt beginnt 1927 und war eine Leistungsschau der Fahrzeugindustrie, allerdings wurde sie nicht alljährlich ausgetragen, fiel in den Kriegsjahren und der Nachkriegszeit aus. Erst 1950 begann man damit wieder. Es war ein Versuch, ein vorsichtiges Tasten, eine vielleicht gewollte rollende Automobil- und Motorrad-Ausstellung. Über diese Veranstaltung wird nicht berichtet, denn es gab noch keine KS 601. Die tauchte erstmals am 8.10.1950 bei der Nordbayrischen Zuverlässigkeitsfahrt unter Weiss / Brendel auf. XI. Deutschlandfahrt 1951; 8.-12. Mai 1951 4 Tage - ca. 2500 km; Flensburg - Hannover; Hannover - Trier; Trier - Freiburg; Freiburg - Nürnberg Es war eine ausgesprochen schwere Prüfung, selbst an internationalen Maßstäben gemessen. Für die kleinen Motorrad- und Motorrollerklassen sogar eine Zerreißprobe. Die Veranstalter hatten möglicherweise noch Vorstellungen wie beim "Russland-Feldzug". Ungeachtet den gestarteten 177 Fahrer, darunter bekannte Namen aus dem Straßenrennsport. So mancher Fahrer ist unterwegs kurz eingenickt und fand sich dann im Straßengraben wieder. Da noch (mit Ausnahme der Horex-Mannschaft) ohne Sturzhelm gefahren wurde, mussten mindestens 3 Teilnehmer mit schweren Kopfverletzung längere Zeit ins Krankenhaus. H.W. Bösch fand z.B. einmal in der Nacht um halb drei einen Mofa-Fahrer im Hotel auf der Toilette fest eingeschlafen und kaum aufzuwecken. Aus Erschöpfung trug es z.B. den Victoria-Gespannfahrer bei Köln aus der Kurve - tot. Die Victoria-Werke A.G. zog ihre Fahrzeuge am Ende des dritten Tages von der Fahrt zurück. Es war lt. Berichterstattung ein "Gotteswunder", dass nicht noch mehr passierte. Was gab es da so: Strafpunkte (1 Punkt je 1 Minute Zeitüberschreitung). Startprüfung (1 Punkt je angefangene 5 Sek von der 1-Min.-Sollzeit, Bergprüfung Johannaberg, Bergprüfung Oppenau-Zuflucht, Beschleunigungsprüfung, Geschwindigkeitsprüfung. Serienmäßigkeit wurde vorausgesetzt, es gab auch eine Zustandsuntersuchung. Vom Guthabenkonto von 500 Punkten wurden dann die Strafpunkte abgezogen. Es wurden auch die Gewichte von Motorrädern und Rollern ermittelt: Motorfahrräder von 60 -100 ccm 75,5 - 83 kg Motorroller von 60 - 100 ccm 73 - 78 kg Motorroller von 100 - 125 ccm 97 - 104 kg Motorroller von 125 - 200 ccm 130 kg Motorräder bis 100 ccm 78 - 93 kg Motorräder bis 125 ccm 93 - 117 kg Motorräder bis 175 ccm 92 - 128 kg Motorräder bis 200 ccm 125 - 142 kg Motorräder bis 250 ccm 144 - 161 kg Motorräder bis 350 ccm 156 - 207 kg Motorräder über 350 ccm 190 - 210 kg Am Ende der Fahrt, nach vier Tagen erbitterter Hetze und Schindereien, wurden dann noch Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen. Dabei wurden alle Möglichkeiten ausgenutzt wie Langmachen, bei den Seitenwagen die Scheibe abnehmen oder umlegen, der Beifahrer verkriecht sich im Boot. Gespanne: Zündapp KS 601 124,5 - 121,9 km/h BMW R 67 118,8 - 114,7 km/h NSU Konsul 84,7 km/h Triumph 250 BDG 76,3 - 70,3 km/h Solomaschinen: AJS 129,1 km/h BMW R 51/II 138,9 - 129,1 km/h Horex Regina 124,4 - 112,5 km/h NSU Konsul 108,9 - 106,9 km/h NSU 251 OSL 100,2 km/h Puch Sport 102,4 - 99,5 km/h Triumph BDG 250 100,5 - 99, km/h Ardie 102,8 km/h BMW R 25 111,9 - 109,7 km/h Zündapp 200 96,1 - 89,7 km/h Puch 150 92,8 km/h Maico 150 88,3 - 77,7 km/h Tornax 175 90,3 - 80,9 km/h Express-Sachs 150 91,9 - 83,5 km/h Express-Ilo 175 92,2 - 83,7 km/h Triumph 125 94,7 - 77,4 km/h BMW R 51/II 138,9 - 129,1 km/h Hoffmann-Ilo 75,7 km/h Puch 125 Sport 89,1 km/h BMW R 51/II 138,9 - 129,1 km/h Adler 100 73,4 - 66,2 km/h NSU Fox 84,7 - 70,6 km/h Vespa 76,6 - 73,3 km/h Lambretta 73,8 - 64,9 km/h Panther-Mofa 66,3 - 65,5 km/h Auszug aus den Wertungslisten: Solo bis 200 ccm: Grenz Nürnberg Zündapp 500 P Gold Krug Nürnberg Zündapp 500 P Gold Ziegler Moorenbrunn Zündapp 500 P Gold Kritter Heilbronn Zündapp 500 P Gold Schweizer Augsburg Zündapp 500 P Gold Rotermundt Nürnberg Zündapp 477 P Gold alle Klassensieger (silberner ADAC-Becher, und goldene ADAC-Deutschlandfahrt-Plakette, dazu noch Mannschaftsfahrer.) Seitenwagen über 350 ccm: Seltsam Tegernsee BMW 500 P Gold Voll München BMW 500 P Gold Noll Kirchain BMW 500 P Gold Ernst Nürnberg Zündapp 500 P Gold Keitel Nürnberg Zündapp 500 P Gold Weiss Nürnberg Zündapp 500 P Gold alle Klassensieger (silberner ADAC-Becher, und goldene ADAC-Deutschlandfahrt-Plakette, dazu noch Mannschaftsfahrer.) Auszug aus der Mannschaftswertung: Einen großen ADAC-Mannschaftspreis mit goldenem Schild holte: Zündapp-Werke GmbH mit den Fahrern Grenz, Krug und Ziegler. Einen großen ADAC-Mannschaftspreis mit bronzenem Schild holte: Zündapp-Werke GmbH mit den Fahrern Kritter, Schweizer, Rotermundt. Einen großen ADAC-Mannschaftspreis für Gespanne mit goldenem Schild holte: Zündapp-Werke GmbH mit Ernst, Keitel, Weiss XII. Deutschlandfahrt 1952, 24.- 8. Mai 1952 4 Tage - ca. 2500 km; Reichenhall - Bayreuth; Bayreuth - Kassel; Kassel - Oldenburg; Oldenburg - Bielefeld Es waren 175 Solomaschinen, 21 Seitenwagenmaschinen und 20 Roller am Start. Die Strecke war härter als 1951, jedoch nicht zu hart. Diesmal hatte man eine ordentliche Wasserdurchfahrt zur Verschärfung eingebaut. Die Etappe Amberg-Floss-Bayreuth war übel, ausgesprochener Sechstage-Charakter, sie war von nassen Männern zu bewältigen - nichts demoralisiert mehr als nasse Klamotten. Aber 50 Leute kamen strafpunktfrei durch. Leider wurde schon der 1. Fahrtag durch einen schweren Unfall getrübt. Der Stuttgarter Puch-Fahrer Erwin Wild kam durch Sturz zu Tode - Schädelbasisbruch; er trug übrigens einen Sturzhelm. Weitere Fahrer kamen zu Sturze, jedoch keine schweren Verletzungen, allerdings waren in einigen Fällen die Maschinen verbogen - keine Weiterfahrt mehr möglich. Auszug aus den Wertungslisten: Solo bis 200 ccm: Krug Nürnberg Zündapp 0 P Gold Kammler Nürnberg Zündapp 0 P Gold Schweizer Augsburg Zündapp 2 P Silber Kritter Heilbronn Zündapp 20 P Silber (Von sieben Zündappen zwei Ausfälle, vier Goldene und eine Silberne. Drei Adler fielen aus und sieben NSU-Lux blieb keiner übrig.) Seitenwagen über 350 ccm: Weiß/Brendel Nürnberg Zündapp 0 P Gold Keitel/Illmann Nürnberg Zündapp 0 P Gold Ernst/Sörgl Nürnberg Zündapp 0 P Gold Köttgen/Raven Düsseldorf Zündapp 0 P Gold Baumann/Trump Frankenthal BMW 3 P Gold (Zitat: Bei den schweren Gespannen gab es die meisten Privatfahrer, es ist eben doch sichtlich ein Sport für ausgewachsene Mannsbilder) Von den 6 Zündapppen waren 4 Strafpnktfrei, zwei Ausfälle mit Rahmenbrüchen an den selbstgebastelten Seitenwagen. Auszug aus der Mannschaftswertung: Großer ADAC-Mannschaftspreis mit Goldenem Schild: 2. Mannschaft der Zündapp-Werke Nürnberg. Abb1: Der erste Tag, die letzte Etappe vor Bayreuth. Die Zeit war knapp, vor mir in der Spur fuhr schon lange ein Vespafahrer, an dem ich nicht vorbeikam. Als ich endlich zum Überholen ansetzte und dabei wieder in die Fahrtrinne rutschte, bekam der Vespa-Mann einen derartigen Schreck, dass er sich zur Seite fallen ließ. Abb2: Ich rief: "Sörgel los, pack den Schleifer zur Seite, damit wir vorbeikommen...", aber dass er ihm ins Kreuz springen soll, hab ich nicht gesagt. So sind nun mal die Beifahrer: Dou is nix zu wolln. Abb3: Ich mußte zufahren, um noch rechtzeitig ins Ziel zu kommen. In fürchterlichen Sprüngen setzte Sörgl mir nach. "Etz hob i grod nu is hintere Beiwongrad erwischt, etzala pack mas - hout der Sörgl gsacht". Und dann kamen wir mit einem unerhörten 'Dampf' ins Ziel. XIII: Deutschlandfahrt; 20.-22. Mai 1953 3 Tage - ca. 2000 km; Kiel - Dortmund; Dortmund - Freiburg; Freiburg - München Da in diesem Jahr der ADAC sein 50-jähriges Jubiläum feierte, war eben die XIII. Fahrt auch als Jubiläumsfahrt bezeichnet worden. Es war ja dann auch die letzte Fahrt mit Motorrädern überhaupt. Es war eine leichte Fahrt, die ganze Fahrt ging über die Bundesstraßen, hatte auch keine Aussagekraft, denn man sprach spöttisch "2000 km Anfahrt zu einem Bergrennen." Die Motorradindustrie meldete erst gar nicht, es war eben kein Ruhm zu gewinnen. Dafür waren viele dabei, die gar nicht das Zeug dazu hatten mitzufahren. Dem entsprechend aus Unerfahrenheit auch viele Stürze - alles glimpflich ausgegangen. Es gibt Fahrzeugmarken (Horex und TWN-Triumph), die im Volksmund bereits den Namen "Todesmaschinen" führen und gerade dort waren die Ausfallzahlen recht hoch. Es war bestimmt nicht leicht für diese Jubiläums-Deutschlandfahrt die behördliche Genehmigung zu erlangen, denn Wettbewerbsfahrten auf öffentlichen Landstraßen sind für die Behörden ein rotes Tuch. Auszug aus den Wertungslisten: Motorroller bis 175 ccm: Keitel Nürnberg Zündapp 500 P Gold Krug Nürnberg Zündapp 500 P Gold Kammler Nürnberg Zündapp 500 P Gold Es gab für diese Klasse insgesamt fünf Goldmedaillen und drei Silbermedaillen Solo bis 200 ccm: Biemann Erlangen Zündapp 500 P Gold Hartner Forchhheim Zündapp 500 P Gold Ziegler Nürnberg Zündapp 500 P Gold In dieser Klasse wurden 11 Gold-, 16 Silber-, 2 Bronze- und 1 Erinnerungsmedaille vergeben. Seitenwagen über 350 ccm: Kritter/Kritter Heilbronn Zündapp 500 P Gold Paehr/Paehr Schweicheln Zündapp 500 P Gold (Im Seitenwagen unser Mitglied Manfred Paehr aus Unna). In dieser Klasse wurden 5 Goldmedaillen vergeben. Kein Silber und kein Bronze. Dies war dann auch die letzte Deutschlandfahrt. Es war organisatorisch nicht mehr möglich. Die behördlichen Widerstände zu groß und ohne Interesse der Motorradhersteller hatten die Erlaubniserteilungsstellen leichtes Spiel. Man stelle sich vor, dass z,B. bei der letzten Deutschlandfahrt in Nürnberg vor dem Opernhaus die Zeitkontrolle war und die Innenstadt mehr oder minder gesperrt war. (Neu bebilderter Extrakt aus Rundschreiben Nr. 2/2006 des Zündapp KS 601 Club e.V.) Die Bilder und Texte - letztere stammen ursprünglich von Hans Ernst - stellte Günter Sengfelder aus seinem Archiv freundlicher Weise zur Verfügung. Diese Zusammenstellung stellte freundlicherweise R.L. vom Zündapp KS 601 - Club zur Verfügung. Herzlichen Dank! |
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